Jungmaus auf Entdeckungstour oder hilflose Waise?

Junge Waldmäuse (Apodemus sp.)

Häufig werden im Frühjahr bei Gartenarbeiten unbeabsichtigt Mäusenester zerstört oder Jungmäuse gefunden. Es stellt sich die Frage: Mit der Hand aufziehen oder nicht?

Nest mit Jungmäusen: Das Nest mit Jungtieren kann vorsichtig in das Versteck zurückgelegt werden. Um keinen Geruch zu hinterlassen, sollten dabei Handschuhe getragen werden. Es ist zu erwarten, dass das Muttertier dieses wieder annimmt oder mit ihrem Nachwuchs ein neues Zuhause aufsucht.

Jungmäuse ohne Nest: Gelegentlich können auch kleine Mäuse ohne Nest im Garten gefunden werden. Um sicherzustellen, dass die Mutter nicht noch lebt und bereits nach ihren Jungen sucht, empfiehlt es sich zunächst das Tier aus der Entfernung zu beobachten. Häufig sind Nester sehr gut versteckt und bei dem vermeintlichen Findling handelt es sich um eine junge Maus, welche beginnt, ihre Umgebung zu erkunden. Achten Sie daher auf Aussehen und Verhalten des Tieres. Wirkt es gesund und besitzt ein dichtes Fell, sollten Sie es auf keinen Fall fangen! Erst wenn Sie sicher sind, dass das Jungtier ohne Hilfe nicht überlebt, geben Sie dieses in einen kleinen Karton mit ausreichend Küchenrollenpapier als Nestmaterial. Danach sollten Sie nach einer Pflege- und Auffangstation in Ihrer Nähe suchen und das Tier dort in sichere Hände übergeben. Unumgänglich ist es, Rat für Unterbringung und Futter einzuholen! Bedenken Sie zudem, dass das Tier vermutlich für längere Zeit keine Nahrung mehr zu sich genommen hat, schnelles Handeln ist daher wichtig! Folgende Auffangstationen können Sie kontaktieren:
Nabu (Deutschland), Wildtiere in Not (Österreich), Stiftung Wildstation Landshut (Schweiz)

 

Da Mäuse Nesthocker sind, wird bei der Haltung ihre Entwicklungsphase berücksichtigt. Nach dem Buch Findeltiere aufziehen und auswildern von Florian Brandes, wird Folgendes empfohlen:

Geschlossene Augen: Hier ist eine Handaufzucht so gut wie aussichtslos. Nach Möglichkeit sollte daher eine Ammenaufzucht von einer Zuchtmaus in Betracht gezogen werden.
Unterbringung: Karton mit viel Küchenrollenpapier (ohne Zellstoff), Temperatur für nackte Jungtiere: 35°C
Futter: Esbilac von PetAG (Milchersatzpulver für Hunde) und Fencheltee im Verhältnis 1:2; am Tag stündlich und in der Nacht alle 2 Stunden, mit Pinsel später mit einer kleinen Pipette, es sollten keine Milchreste im Fell oder auf der Haut zurückbleiben, abschließende Bauchmassage mit Wattestäbchen.

Geöffnete Augen:
Unterbringung: Mäusekäfig
Futter: Mäusefutter und zur Deckung ihres hohen Eiweißbedarfs Frischinsekten wie z.B. Mehlwürmer

 

Die Mäuse können im Alter von 4 Wochen ausgewildert werden. Dazu sollte die Maus an eine gut geschützte Stelle in einem geeigneten Lebensraum gebracht werden. Ihr nun geöffneter Käfig sollte noch einige Zeit als Zufluchtsort und Vorratskammer zu Verfügung stehen!

Der Artikel bezieht sich auf Mäuse (Rodentia), Spitzmäuse (Soricidae) unterscheiden sich in ihrer Ernährung grundlegend von Mäusen und benötigen fast ausschließlich tierisches Eiweiß!

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