Brandmaus - Apodemus agrarius

Name: Apodemus agrarius (Pallas, 1771); Brandmaus (D); Striped field mouse (E)
Internationaler Schutz: international nicht geschützt
Größe: Kopf-Rumpf: 70115 mm; Hinterfuß: 1821 mm; Schwanz: 6592 mm; Gewicht: 1136 g [4].
Fell: Rückenmitte: 23 mm schwarzer Aalstrich, welcher bereits ab dem 23 Lebenstag deutlich erkennbar ist [3] und bis zur Schwanzwurzel reicht [4], Anfang variiert zwischen Augenhöhe und Nacken [3]; Rückenfärbung: braun mit roten, grauen [3] und gelben [4] Farbtönen; Unterseite: grauweiß; Jungtiere allgemein grauer [4].
Augen/Ohren: kurze und auf der oberen Hälfte der Innenseite behaart Ohren [3].
Schwanz: 3/4 so lang wie die Kopf-Rumpf Länge und deutlich zweifarbig [4].
Verbreitung: paläarktische und orientalische Region [6] mit Verbreitungsschwerpunkt in Asien [4]; Österreich: ein Nachweis in der Steiermark [7]; Deutschland: im Norden und Osten [3]; Schweiz: kein Vorkommen [6]; Mehr Info: GeoMaus-Karte. Ihre Höhenverbreitung erstreckt sich bis 1.750 m Höhe, wobei sie Niederungen bevorzugt [6] und ab 600 m selten zu finden ist [4].
Lebensraum: Vorzugsbiotop: Übergangsbereiche zwischen Wald und Wiese feuchter Lebensräume [4]; Reviere der Männchen größer als die der Weibchen [2]; Populationsdichte: je nach Lebensraumbeschaffenheit: 5-50 Individuen pro Hektar, Massenvorkommen möglich, aber in Zentraleuropa seit 30 Jahren ausbleibend [6].
Lebenserwartung: Höchstalter im Freiland: 18 Monate [4]; in Gefangenschaft bis zu 4 1/2 Jahre [3].
Ähnliche Arten: Ähnelt anderen Waldmäusen (Apodemus), aber aufgrund des Aalstriches am Rücken deutlich zu unterscheiden [4]. Größere Verwechslungsgefahr besteht mit der Waldbirkenmaus (Sicista betulina), welche ebenfalls durch einen schwarzen Strich am Rücken gekennzeichnet ist. Diese ist jedoch kleiner, mit weniger als 10 Gramm ist sie leichter und besitzt einen sehr langen Schwanz (1,5 faches der Körperlänge) [3]. >Bestimmungsschlüssel<
Sytematik: Ordnung: Nagetiere (Rodentia) → Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha) → Überfamilie: Mäuseartige (Muroirdea) → Familie: Ratten- und Mäuseartige (Muridae) → Unterfamilie: Echte Mäuse und Ratten (Murinae) → Gattung: Waldmäuse (Apodemus)

Die Brandmaus bewohnt bevorzugt Übergangsbereich zwischen Wald und Wiese feuchter Lebensräume wie Nasswiesen, Niedermoore, Röhrichte, Hochstaudenflure, Gewässerufer [4] und deren anschließenden Auenlandschaften [9]. Sie ist tag- und nachtaktiv, wobei sie im Vergleich zu anderen Waldmäusen (Apodemus) über eine verstärkte Tagesaktivität verfügt [4]. Ihr unterirdischer Bau besteht aus einer Vorratskammer, einer Nestkammer und mehren Gängen. Obwohl die Tiere als Einzelgänger gelten [2] und ein territoriales Verhalten zeigen [1], können sie in kleinen Lebensräumen zusammenleben [2]. Die scheint vor allem aufgrund ihres enormen Fortpflanzungspotenzials (Paarungszeit von April – September [J] mit jeweils 3 - 6 Jungen in 3 – 4 Würfen [3] plus gelegentlicher Frühjahrs- und Wintervermehrung und noch im selben Jahr geschlechtsreife Jungtiere) auch nötig zu sein [4]. Die Brandmaus ernährt sich animalisch und pflanzlich [2] mit erhöhtem Anteil tierischer Kost zur Fortpflanzungszeit [4]. Gegenüber ebenenfalls in feuchten Habitaten lebenden Arten ist sie stets dominant [9]. Aufgrund ihre Tagesaktivität wird sie von Eulen selten erbeutet [4]. Als Fressfeinde gelten Greifvögel, Fuchs und Marderartige [2].

Lebensraum

In Mitteleuropa und Osteuropa gilt die Brandmaus unter Einfluss des kontinentalen Klimas als anpassungsfähige (euryöke) Art [1]. Sie bewohnt verschiedene, vorwiegend feuchte Lebensräume, wie Nasswiesen, Niedermoore, Röhrichte, Hochstaudenflure, Gewässerufer [4] und deren anschließenden Auenlandschaften [9]. Mit zunehmendem Einfluss des atlantischen geprägten Nordens nimmt ihre Anpassungsfähigkeit ab und sie wird stenök. Hier zeigen Brandmäuse eine Bindung zu trockenen Regionen. Auch in Südosteuropa, wo sie wiederum nasse Bereiche bevorzugt, ist ihre Anpassungskapazität gering [1]. Während der Erntezeit wandert sie häufig von Waldrändern und Gebüschreihen auf Ackerfelder ein, wo sie hohe Dichten erreicht. Ganzjährig bewohnt sie Parks und Gärten, wo sie im Winter in Gebäuden Schutz sucht. Innerhalb der verschiedenen Lebensräume präferiert sie Standorte im Übergangsbereich zwischen Wald und Wiese [4], welche ihr eine ausreichende Deckung bieten. Waldinnenflächen meidet sie [5].

Lebensweise

Aktivität und Fortbewegung: Die Brandmaus ist tag- und nachtaktiv, wobei sie im Vergleich zu anderen Waldmäusen (Apodemus) über eine verstärkte Tagesaktivität verfügt [4]. In Gefangenschaft zeigen die Tiere konstante Schlafperioden in ihren Nestern zwischen 22:30 und 3:30 Uhr [1]. In Relation zur Waldmaus (Apodemus sylvaticus) und Gelbhalsmaus (A. flavicollis) ist sie ein schlechter Kletterer und Springer, welcher nur gelegentlich in oberirdischen Verstecken anzutreffen ist. Dies ist mit ihrer mehr bodengebundenen Lebensweise zu erklären [4].

Territoriales Verhalten und Reviergröße: Das Revier der Männchen ist größer als das der Weibchen. Obwohl die Tiere als Einzelgänger gelten [2] und ein territoriales Verhalten zeigen [1], können sie in kleinen Lebensräumen zusammenleben [2].

Bau: Wenn die Brandmaus keine Gangsysteme anderer Kleinsäuger übernimmt [1], legt sie ihren Bau dicht unter der Erdoberfläche an. Dieser verfügt über eine Vorratskammer, eine Nestkammer und mehren Gängen. Das Nest liegt in einer Tiefe von 40 cm [4] und besteht aus Gras und Laub [3]. Auch außerhalb ihres Baus werden Vorräte in Mulden gesammelt und zum Schutz mit Blättern bedeckt [4].

Kommunikation und Orientierung: Als Besonderheit innerhalb der Säugetiere gilt ihre Orientierung mit Hilfe der Sonne. Bei hoher Populationsdichte sind häufig Zanklaute zu hören. Wie bei anderen Waldmäusen (Apodemus) werden Duftsignale durch eine Unterschwanz-Drüse produziert. Diese ist jedoch vergleichsweise schwach entwickelt [1].

Fortpflanzung und Populationsbiologie

Die Fortpflanzungszeit der Brandmaus dauert von April bis September. 3 – 4 Mal [3] im Jahr kommen nach einer Tragzeit von 24 Tagen 3 – 6 Junge zur Welt. Die Weibchen können direkt nach ihrer Geburt wieder begattet werden (Post-Patrum-Östrus), sodass 2 Würfe oft nur 22 Tage auseinander liegen. Die Jungtiere erreichen bereits nach 8 Wochen ihre Geschlechtsreife. Früh im Jahr geborene Tiere können daher noch im gleichen Jahr bis zu 3 Würfe haben. Nach Mastjahren und bei günstiger Witterung ist zudem eine Herbst- und Wintervermehrung möglich [4].
Eine gute Verträglichkeit zwischen den Individuen ermöglicht ihr ein Leben in hohen Populationsdichten, was angesichts des enormen Fortpflanzungspotenzials nötig ist. Dies ist besonders bei kleinen Lebensräumen von Vorteil und begünstigt eine Ausbreitung in neuen Gebieten. Hohe Temperatur und viel Sonnenschein im Juli und August senkt die Jugendsterblichkeit. Folgt ein trockener und kalter Winter, sinkt auch die Wintersterblichkeit und ein Populationswachstum tritt ein. Ein Populationszusammenbruch ist hingegen bei nassen und sonnenscheinarmen Wintern zu erwarten, welchen nur vitale und körperlich fitte Tiere überleben [4]. Eine Massenvermehrung von Brandmäusen trat in den letzten 30 Jahren in Zentraleuropa nicht auf [6]. Diese kann nur bei einem Zusammenspiel mehrere Faktoren wie beim Auftreten einer hohen Temperatur, einem geringen Niederschlag und guter Baummast beobachtet werden [4]. Je nach Lebensraumbeschaffenheit variiert die Populationsdichte zwischen 5 und 50 Individuen pro Hektar [6]. Das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Tieren unterliegt saisonaler Schwankungen. Ähnlich wie bei Wühlmäusen sinkt im Herbst der Anteil adulter Männchen [1].

Nahrung

Die Brandmaus ernährt sich sowohl animalisch als auch pflanzlich [2]. Tierische Kost, wie Insekten, Weichtiere und Regenwürmer, werden vor allem im Frühjahr und Frühsommer zur Fortpflanzungszeit gefressen [4]. Gelegentlich erbeutet sie Frösche und Kleinsäuger [1]. Ihre pflanzliche Nahrung besteht überwiegend aus Nüssen, Eicheln, Samen und Beeren [3], wobei sie Haselnüsse nach typischer Waldmausart öffnet: Nachdem sie eine kleine Öffnung in die Schale beißt, halten die Tiere mit dem Oberkiefer die Nuss an der Außenseite fest, während das Unterkiefer an der Innenseite schabt und das Loch vergrößert [8]. Rinden, Triebe und Wurzeln verzehrt die Brandmaus hingegen selten [4].

Konkurrenz und Feinde

Gegenüber der Erdmaus (Microtus agrestis) [4], der Wasserspitzmaus (Neomys fodiens) und der Zwergmaus (Micromys minutus) zeigt sie sich in feuchten Lebensräumen dominant [9]. Im Gegensatz zu anderen Kleinsäugern besitzt sie eine verstärkte Tagesaktivität. Von nachtaktiven Prädatoren, wie Eulen, wird sie daher nur selten erbeutet [4]. Als Fressfeinde gelten Greifvögel, Rotfuchs (Vulpes vulpes), Hermelin (Mustela erminea) und Mauswiesel (Mustela nivalis) [2].

Gefährdung und Schutz

Aufgrund ihres hohen Anteils an Insekten in ihrer Nahrung ist sie stärker durch den Einsatz von Insektiziden gefährdet als andere Waldmaus(Apodemus)arten. Eine weitere Bedrohung ist zudem das Schwinden von Ackerrandstreifen und Gehölzreihen als wichtige Lebensräume für die Brandmaus in unserer Kulturlandschaft [2].

[1] Böhme, W. (1978): Apodemus agrarius ( Pallas, 1771) - Brandmaus. In: Handbuch der Säugetiere Europas: Rodentia I (Hrsg.: J. Niethammer & F. Krapp). 368-381. Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden.
[2] Görner, M., & Stefen, C. (2009): Brandmaus Apodemus agrarius. In: Atlas der Säugetiere Thüringens (Hrsg.: M. Görner). 148-150. Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e. V. und Landesjagdverband Thüringen e. V., Jena.
[3] Grimmberger, E. (2014): Die Säugetiere Deutschlands. Quelle & Meyer, Wiebelsheim.
[4] Jenrich, J., Löhr, P.-W., & Müller, F. (2010): Kleinsäuger: Körper- und Schädelmerkmale, Ökologie. Beiträge zur Naturkunde in Osthessen (Hrsg. Verein für Naturkunde in Osthessen e.V.). Michael Imhof Verlag, Fulda.
[5] Kraft, R. (2008): Mäuse und Spitzmäuse in Bayern: Verbreitung, Lebensraum, Bestandssituation. Ulmer Verlag, Stuttgart
[6] Mitchell-Jones, A. J., Amori, G., Bogdanowicz, W., Kryštufek, B., Reijnder, P. J. H., Spitzenberger, F., Stubbe, M., Thiessen, J. B. M., Vohralik, V., & Zima, J. (1999): The atlas of European Mammal. Academic Press, London.
[7] Spitzenberger, F. (2001): Die Säugetierfauna Österreichs. Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Band 13. Austria Medien Service, Graz.
[8] Borkenhagen, P. (2011): Die Säugetiere Schleswig-Holsteins. Husum Verlag und die faunistisch-ökologische Arbeitsgemeinschaft E. V., Husum.
[9] Zinke, O. (2009): Brandmaus Apodemus agrarius (Pallas, 1771). In: Atlas der Säugetiere Sachsens (Hrsg.: S. Hauer, H. Ansorge & U. Zöphel). 241-243. Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden.

Autoren: Dr. Christine Blatt & Dr. Stefan Resch (letzte Änderung im Jun. 2017)
Zitiervorschlag: Blatt, C. & Resch, S. (2017): Brandmaus - Apodemus agrarius. In: Internethandbuch über Kleinsäugerarten im mitteleuropäischen Raum: Körpermerkmale, Ökologie und Verbreitung. kleinsaeuger.at, Salzburg.