Alpenwaldmaus - Apodemus alpicola

Name: Apodemus alpicola (Heinrich, 1952); Alpenwaldmaus (D), Alpine mouse (E)
Internationaler Schutz: international nicht geschützt
Größe: Kopf-Rumpf: 84120 mm; Hinterfuß: 2226,5 mm; Schwanz: 100136 mm; Gewicht: 23,643 g [2].
Fell: weicher und dichter als bei Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) und Waldmaus (A. sylvaticus); Rücken: hell gelblichbraun bis graubraun; Bauch: grauweiß; Grenze zwichen Ober- und Unterseite oft mit deutlichen gelblichen Streifen; Kehlzeichnung: erinnert an eine "Krawatte" [5]: ovaler gleblicher Fleck, welcher mit einem Strich bis zum Bauch verlängert ist oder ein geschlossenes Kehlband mit Strich über den ganzen Bauch und sehr selten gelblich getöner Bauch ohne weitere Kennzeichnung [1].
Augen/Ohren: große Augen und Ohren [2].
Schwanz: 130 % länger als die Körperlänge [1].
Verbreitung: Endemisch in den europäischen Alpen [4]; Österreich: Nord- und Zentralalpen [7]; Deutschland: Alpen [1]; Schweiz: Kantone Graubünden und Wallis [8]; Mehr Info: GeoMaus-Karte. Ihre Höhenverbreitung erstreckt sich von 5502.200 m [4] mit Schwerpunkt in der montanen Höhenstufe [7].
Lebensraum: anpassungsfähige Art offener Standorte und lichter Wälder [7].
Lebenserwartung: keine Angaben, aber vermutlich ähnlich der Wald- und Gelbhalsmaus.
Ähnliche Arten: Die Waldmaus besitzt einen kürzeren Schwanz und eine kürzere Hinterfußlänge. Im Vergleich zur Gelbhalsmaus besitzt sie einen grauweißen, anstelle eines weißen Bauches [2]. >Bestimmungsschlüssel<
Systematik: Ordnung: Nagetiere (Rodentia) → Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha) → Überfamilie: Mäuseartige (Muroirdea) → Familie: Ratten- und Mäuseartige (Muridae) → Unterfamilie: Echte Mäuse und Ratten (Murinae) → Gattung: Waldmäuse (Apodemus)

Die Alpenwaldmaus wurde bis 1989 als Unterart der Gelbhalsmaus angesehen [2]. Hinsichtlich ihrer Bestimmung gilt die gleiche Problematik wie bei der Waldmaus und der Gelbhalsmaus, was dazu führt, dass alle 3 Arten anhand von äußeren Merkmalen nicht immer eindeutig zu unterscheiden sind [3]. Die anpassungsfähige Alpenwaldmaus ist in offenen Landschaften genauso zu finden wie in bewaldeten Lebensräumen [7] oder Zwergstrauchheiden [1]. Da sie erst seit wenigen Jahren als eigene Art geführt wird, gibt es kaum Untersuchungen zu ihrer Biologie. Es wird angenommen, dass die Alpenwaldmaus in ihrer Lebensweise der Waldmaus und der Gelbhalsmaus ähnelt [5]. Die Fortpflanzungszeit reicht von April bis August/September [2]. Aufgrund der teils extremen Umweltbedingungen in ihrem Lebensraum variiert ihr Nahrungsspektrum in Abhängigkeit zur Jahreszeit [2]. Eine Konkurrenz besteht mit Gelbhalsmäusen und Rötelmäusen, welche die Alpenwaldmaus häufig in suboptimale Habitate verdrängen [2]. Zu ihren Feinden zählen vor allem Eulen und Marderartige [1]. Es ist anzunehmen, dass sie wie die Gelbhalsmaus unter der Isolierung verbleibender Waldflächen leidet und wenig selektive Methoden zur »Kleinsäugerbekämpfung« lokale Vorkommen gefährden.

Bestimmungsmerkmale

Die Alpenwaldmaus, früher als Unterart der Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) angesehen, wird seit dem Jahr 1989 als eigene Art anerkannt [2]. Hinsichtlich ihrer Bestimmung gilt die gleiche Problematik wie bei Waldmaus (A. sylvaticus) und Gelbhalsmaus: Aufgrund der Variationsbreite innerhalb der Art und in der Gattung Waldmäuse (Apodemus) ist eine Unterscheidung anhand äußerer Merkmale unzuverlässig [3]. Ein Hinweis stellt vor allem eine Schwanzlänge von 130 % der Körperlänge dar [1]. Andere Merkmale sind die grauweiße Unterseite, welche sie von der Gelbhalsmaus (weißer Bauch), nicht aber von der Waldmaus unterscheidet. Die Hinterfüße sind bei der Alpenwaldmaus größer als bei der Waldmaus, bei der Gelbhalsmaus jedoch gleich. Die Kehlzeichnung wirkt verwaschen [2] und variiert: Sie ist entweder ein ovaler gelblicher Fleck, welcher mit einem Strich bis zum Bauch verlängert ist oder ein geschlossenes Kehlband mit Strich über den ganzen Bauch. Sehr selten treten Individuen mit gelblich getöntem Bauch ohne weitere Kennzeichnung auf. Häufig kann bei der Waldmaus ein gelber Strich zwischen der scharf abgegrenzten Ober- und Unterseite festgestellt werden. Eine eindeutige Identifizierung ist jedoch meist nur mit biochemischen Methoden oder einer Auswertung von Schädelmerkmalen (Beispiel nach Reuter et al. 1999 [6]) möglich [1].

Lebensraum

Die Alpenwaldmaus kann als anpassungsfähige Art betrachtet werden, welche in offenen Landschaften genauso zu finden ist, wie in dicht bewachsenen Hangwäldern in Bachtälern. Sie bewohnt auch trockene, lichtdurchlässige Laub- Misch- oder Lärchenwälder [7]. Oberhalb der Waldgrenze lebt sie in Zwergstrauchheiden und auf Almen, wo sie im Winter gelegentlich in Hütten eindringt [1]. In ihren Lebensräumen bevorzugt sie helle Standorte mit guter Deckung [2] aus Hochstauden, Sträuchern, Geröll und Steinen [1] sowie einem starken Bodenrelief [2]. Hohe Vorkommen in reinen Nadelwäldern sind meist eine Folge der Konkurrenz mit der Gelbhalsmaus oder der Rötelmaus, welche sie in diese suboptimalen Habitate verdrängen [2].

Lebensweise

Da die Alpenwaldmaus erst seit wenigen Jahren als eigene Art geführt wird, gibt es kaum Untersuchungen zu ihrer Biologie. Es wird angenommen, dass sie in ihrer Lebensweise der Waldmaus und der Gelbhalsmaus ähnelt [5]. Besonders die Kenntnisse zur Fortpflanzungsbiologie und Sozialstruktur gelten als lückenhaft [1]. Im Gegensatz zu anderen Waldmäusen stellen ihr langer Schwanz und ihre großen Hinterfüße eine Anpassung an das Klettern auf felsigen Untergrund dar und sprechen nicht unbedingt für ein arboreales Verhalten dieser Art [2]

Fortpflanzung und Populationsbiologie

Die Fortpflanzungszeit reicht von April bis August/September [2]. 2 bis 3 Mal im Jahr werden durchschnittlich 5 – 6 Jungtiere geboren [1]. Weibchen werden noch im selben Jahr geschlechtsreif [2].

Nahrung

Aufgrund der teils extremen Umweltbedingungen in ihrem Lebensraum variiert das Nahrungsspektrum der Alpenwaldmaus in Abhängigkeit zur Jahreszeit [2]. Im Frühjahr verzehrt sie vorwiegend Insekten. Im April beträgt der Anteil an Insekten in ihrer Nahrung häufig mehr als 50 % und ist somit deutlich höher als bei Waldmäusen in Mischwäldern. So bald ihr im Sommer und Herbst Samen, Früchte und Kräuter zur Verfügung stehen, schwindet der Anteil an Insekten und sie ernährt sich vorwiegend vegetarisch. So beträgt zum Beispiel der Anteil an Moos im Juni rund 12 Prozent. Die Alpenwaldmaus scheint für den Winter Vorräte anzulegen. Allerdings bestehen diese häufig nur aus wenig nahrhaften und schlecht haltbaren Kräutersamen. Im Vergleich zu den anderen Waldmäusen (Apodemus) spielen Baumsamen keine entscheidende Rolle in ihrer Ernährung. Dies lässt auf ein vorwiegend terrestrisches Futtersuchverhalten schließen [6].

Konkurrenz und Feinde

Auf Almen kann entlang der Waldränder eine häufige Konkurrenz mit der Gelbhalsmaus festgestellt werden [3]. In montanen Waldflächen verdrängt die dominante Gelbhalsmaus dabei häufig die Alpenwaldmaus in offenere Bereiche mit niedriger Vegetation, auf Steinhalden oder in suboptimale reine Nadelwälder [2]. Ein gemeinsames Vorkommen mit der Waldmaus ist hingegen selten zu beobachten, da beide Arten unterschiedliche Höhenstufen bevorzugen [3]. Kommen alle drei Arten in einem Gebiet vor, kann eine Nischentrennung beobachtet werden: Die Waldmaus ist vermehrt in offenen Habitaten und entlang der Waldränder anzutreffen, die Gelbhalsmaus besiedelt unterwuchsfreie Hochwälder und die Alpenwaldmaus bevorzugt geröll- und steinreiche, lichte Standorte mit guter Krautschicht sowie strukturreichem Bodenrelief. Nur in höheren Lagen dominiert die Alpenwaldmaus, da sie mit ihrer geringeren Stoffwechselrate besser an das kühle Klima angepasst ist. Innerhalb der Wühlmäuse ist die Rötelmaus ihre größte Konkurrentin, welche sie nach Mastjahren bei hohen Populationsdichten häufig in suboptimale Nadelwälder verdrängt [2]. Zu ihren Feinden zählen vor allem Eulen, Baummarder (Martes martes), Hermeline (Mustela erminea) und Mauswiesel (Mustela nivalis) [1].

Gefährdung und Schutz

Aufgrund fehlender Forschung ist nur wenig über ihre Gefährdung bekannt. Anzunehmen ist, dass sie wie die Gelbhalsmaus unter der Isolierung verbleibender Waldflächen leidet. Da in der Forstwirtschaft meist wenig selektive Methoden zur "Kleinsäugerbekämpfung" verwendet werden, ist davon auszugehen, dass diese Maßnahmen lokale Vorkommen gefährden.

[1] Grimmberger, E. (2014): Die Säugetiere Deutschlands. Quelle & Meyer, Wiebelsheim.
[2] Jenrich, J., Löhr, P.-W., & Müller, F. (2010): Kleinsäuger: Körper- und Schädelmerkmale, Ökologie. Beiträge zur Naturkunde in Osthessen (Hrsg. Verein für Naturkunde in Osthessen e.V.). Michael Imhof Verlag, Fulda.
[3] Kraft, R. (2008): Mäuse und Spitzmäuse in Bayern: Verbreitung, Lebensraum, Bestandssituation. Ulmer Verlag, Stuttgart.
[4] Mitchell-Jones, A. J., Amori, G., Bogdanowicz, W., Kryštufek, B., Reijnder, P. J. H., Spitzenberger, F., Stubbe, M., Thiessen, J. B. M., Vohralik, V., & Zima, J. (1999): The atlas of European Mammal. Academic Press, London.
[5] Müller, J. P., Jenny, H., Lutz, M., Mühlethaler, E., & Briner, T. (2010): Die Säugetiere Graubündens: Eine Übersicht. Sammlung Bündner Naturmuseum und Desertina Verlag, Chur.
[6] Reutter, B., Hausser, J., & Vogel, P. (1999): Discriminant analysis of skull morphometric characters in Apodemus sylvaticus, A. flavicollis, and A. alpicola (Mammalia; Rodentia) from the Alps. Acta Theriologica, 44, 299-308.
[7] Spitzenberger, F. (2001): Die Säugetierfauna Österreichs. Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Band 13. Austria Medien Service, Graz
[8] Vogel, P. (1995): Apodemus alpicola Heinrich, 1952. In: Die Säugetiere der Schweiz: Verbreitung, Biologie und Ökologie  (Hrsg.: J. Hausser). Band 103, 279-282. Birkäuser Verlag, Basel.

Autoren: Dr. Christine Blatt & Dr. Stefan Resch (letzte Änderung im Mai. 2017)
Zitiervorschlag: Blatt, C. & Resch, S. (2017): Alpenwaldmaus - Apodemus alpicola. In: Internethandbuch über Kleinsäugerarten im mitteleuropäischen Raum: Körpermerkmale, Ökologie und Verbreitung. kleinsaeuger.at, Salzburg.