Besonderheiten - Bilche

Nachts in luftigen Höhen

Siebenschläfer im Geäst

Ihre großen schwarzen Augen, die langen Tasthaare und das feine Gehör sind unverkennbare Anpassungen an die nächtliche Aktivität. Bei genauerem Hinsehen fallen zudem die saugnapfartigen Ausbildung ihrer Fußsohlen, die Haftzehen und die drehbaren Knöchel der Hinterfüße ins Auge. Eigenschaften, welche die Bilche zu ausgezeichneten Kletterern machen. Die höchsten Baumschichten werden vom Siebenschläfer (Glis glis) aufgesucht, die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) bewegt sich vorwiegend entlang von Sträuchern und der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) ist sogar am Boden anzutreffen. Der Baumschläfer (Dryomys nitedula) ist flexibler und kann in unterschiedlichen Höhen beobachtet werden. Mit ihrer strengen Bindung an Gehölze verlieren unsere heimischen Bilche zunehmend an Lebensraum. Denn zu Gunsten von Infrastrukturprojekten sowie land- und forstwirtschaftlichen Interessen verschwinden vielerorts Hecken, strauchreiche Flächen und natürliche Mischwälder.

Speiseplan mit Einschränkungen

Bilche sind die einzigen Nager, die keinen Blinddarm besitzen. Ihnen fehlen daher symbiotische Bakterien zur Verwertung von Zellulose, sodass sie auf leicht verdauliche eiweiß-, fett- und kohlenhydratreiche Nahrungsquellen angewiesen sind. Ihre pflanzliche Nahrung besteht folglich überwiegend aus Früchten, Nüssen, Samen und Knollen. Der Anteil tierischer Kost in Form von Insekten, Spinnen und Regenwürmern, variiert je nach Jahreszeit und ist vor allem im Herbst zur Anlage der Fettreserven hoch.

Falsche Schwanzautotomie

Haselmaus mit schwarzem Haarbüschel am Schwanzende

Der meist lange Schwanz kann bei Gefahr abgeworfen werden. Dies erfolgt entlang von präformierten »Sollbruchstellen« und eröffnet den Tieren eine letzte Fluchtmöglichkeit. Wieder in Sicherheit wird der nackte Schwanzteil abgenagt, vertrocknet und fällt ab. An der Bruchstelle wachsen meist anders gefärbte Haare nach. So können Haselmäuse mit schwarzen oder weißen Haarbüscheln am Schwanzende beobachtet werden.

Winter- und Sommerschlaf

Wie die häufig verwendeten Namen »Schläfer« oder »Schlafmäuse« bereits vermuten lassen, halten die Tiere zur Überbrückung ungünstiger Bedingungen einen Winter- bzw. Sommerschlaf. Mit sinkenden Temperaturen im Herbst fallen sie mit eingerolltem Schwanz und umgeklappten Ohren in ihren Winterquartieren in einen tiefen Schlaf. Während der nächsten Monate haben Bilche mit Herabsetzung der Sinnes- Stoffwechsel- und Bewegungsabläufe enorme physiologische Herausforderungen zu meistern. So sinkt die Köpertemperatur beinahe bis zum Gefrierpunkt und nur ein Regelmechanismus, der eine Wärmeproduktion induziert, schützt sie vor dem Erfrieren. Bis zum Erwachen verlieren die Tiere 40-50 Prozent ihres Gewichts. Weniger bekannt ist ihre Fähigkeit in Südeuropa bei heißen Temperaturen und Nahrungsknappheit einen Sommerschlaf abzuhalten. Daneben fallen Bilche bei Kälteeinbrüchen in eine über mehrere Stunden oder Tage andauernde Lethargie (Torpor), welche ebenfalls hilft, ungünstige Bedingungen zu überstehen.

Siebenschläfertag

Siebenschläfer

Auch wenn der Siebenschläfer einen eigenen Tag in unserem Kalender verdienen würde, so ist der Siebenschläfertag ein Gedenktag für die 7 Schläfer von Ephesus. Einer Legende nach wurden 7 Christen aus Ephesus, welche in der Zeit der Christenverfolgung in einer Berghöhle Zuflucht suchten, eingemauert. Erst 200 Jahre später, am 27. Juni 446, wurden sie befreit. Sie sind jedoch nicht gestorben, sondern waren in einen tiefen Schlaf gefallen und wachten bei ihrer Befreiung wieder auf. Heute ist der Siebenschläfertag ein Lostag im Bauernkalender, welcher es vermag das Wetter der nächsten 7 Wochen vorherzusagen: »Wenn’s an Siebenschläfer gießt, sieben Wochen Regen fließt« oder »ist der Siebenschläfer nass - regnet‘s ohne Unterlass!«. Die oft richtigen Vorhersagen lassen sich auch meteorologisch begründen. Denn Ende Juni/Anfang Juli bildet sich ein Starkwindband. Verläuft dieses im Norden, setzt sich der Einfluss des Azorenhochs durch, andernfalls wird schlechtes Wetter mit Regen begünstigt.

[1] Jenrich, J., Löhr, P.-W., & Müller, F. (2010): Kleinsäuger: Körper- und Schädelmerkmale, Ökologie. Beiträge zur Naturkunde in Osthessen (Hrsg. Verein für Naturkunde in Osthessen e.V.). Michael Imhof Verlag, Fulda.
[2] Grimmberger, E., & Rudloff, K. (2009): Atlas der Säugetiere Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Natur und Tier-Verlags GmbH, Münster.
[3] Stehr, H. (1987): Nagetiere und Insektenfresser (Band 5). Die Tiere unserer Welt. Bertelsmann Lexikothek, Gütersloh.
[4] Morris, P. (2011): Dormice: A tale of two species (2.Ausgabe) British Natural History Series. Whitted Books, Stansted.