Feldhamster - Cricetus cricetus

Größe: Kopf-Rumpf: 200340 mm; Hinterfuß: 3040 mm; Schwanz: 2565 mm; Gewicht: 200500 [3]
Fell: Körperoberseite: braune Grannenhaare mit schwarzen Spitzen; helle, cremefarbene Flecken an Wange, Hals und Schultern; weiße Schnauzenpartie, Ohrränder, Vorder- und Hinterpfoten; tiefschwarze Bauch, Brust-, und Kehlfärbung [6]
Augen/Ohren: Augen mittelgroß; Ohrmuscheln ragen deutlich aus dem Fell hervor [6]
Schwanz: hell rotbrauner, kurzer Schwanz [4]
Lebensraum: Steppe, im westlichen Verbreitungsgebiet Ackerflächen [3] hier Reviergröße 0,51 Hektar (Männchen) und 0,5 ha (Weibchen) [3], Aktionsradius 10.00020.000 m² (Männchen) und 4.000 m² (Weibchen) [6]; Populationsdichte früher bis zu 200300 Individuen pro Hektar während sogenannter Hamsterjahre, heute rund 0,53 I/ha [6]
Lebenserwartung: meist 2 Jahre, selten bis zu 4 Jahre [6]
Ähnliche Arten: Aufgrund der charakteristischen Färbung und Körpergröße keine Verwechslungsgefahr.
>Bestimmungsschlüssel<
Systematik: Ordnung: Nagetiere (Rodentia) → Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha) → Überfamilie: Mäuseartige (Muroirdea) → Familie: Hamster- und Wühlmausartige (Cricetidae) → Unterfamilie: Hamster (Cricetinae) → Gattung: Feldhamster (Cricetus) [2]

Der Feldhamster bevorzugt Waldsteppen mit kontinentalem Klima. Der Schwerpunkt seiner Verbreitung liegt dementsprechend in Osteuropa und in den Steppen Zentralasiens. In Mitteleuropa ist er aufgrund seiner Habitatansprüche nur inselartig in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Österreich, Ungarn, Slowenien, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Polen, Rumänien und Bulgarien beheimatet. In diesem, für ihn klimatisch ungünstigen, Lebensräumen ist es ihm gelungen Flächen der offenen Kulturlandschaft als Ersatzlebensräume zu nutzen [3]. Hier ist er jedoch nicht immer ein gern gesehener Gast. Dies verrät bereits sein Name, welcher aus dem althochdeutschen „hamastro“ stammt und so viel wie Kornwurm bedeutet. Brehm bezeichnet den Feldhamster im Jahr 1879 in Brehms Thierleben als „... lieblich recht hübsches, geistig aber umso hässlicheres, boshaftes und bissiges Geschöpf“. Er galt lange Zeit als landwirtschaftlicher Schädling und wurde großflächig bekämpft. Zudem wurde sein buntes, qualitativ hochwertiges Fell als Innenfutter für Mäntel und Jacken verwendet. Der Rückgang der Populationsdichten erfolgte langsam und wurde erst spät registriert. Veränderte landwirtschaftliche Nutzung mit immer früheren Erntezeitpunkten, großflächiger Einsatz von Herbiziden und zunehmend schwerere Landmaschinen sowie gewerblicher Fang und Schädlingsbekämpfung setzen dem Feldhamster stark zu. Aufgrund der geringen Populationsdichten galt der Handel mit seinem Fell bereits im Jahr 1980 als nicht mehr rentabel. Erst mit seiner Ernennung zum „Wildtier des Jahres 1996“ durch die Schutzgemeinschaft deutsches Wild und der damit verbundenen Aufmerksamkeit wurden großflächige Kartierungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten nicht nur einen Rückgang der Populationsdichten, sondern auch, dass die räumliche Ausdehnung kleiner wurde [6].

Als Gefährdungsfaktoren gelten heute [1]:
1. Intensivierung der Landwirtschaft: Tiefes und frühes Pflügen, Bodenverdichtung durch schwere Maschinen, monotoner Anbau, geringes Wildkräuteraufkommen durch den Einsatz von Herbiziden, frühes Ernten, Bewässerung, Kunstdüngereinsatz mit damit verbundener Eutrophierung, Zusammenlegung von Kleinflächen und Pestizide
2. Lebensraumverlust: Umwidmungen von Grünland zu Bauland und Verlust von Trittsteinflächen führen zur Unterbrechung wichtiger Wanderrouten
3. Weitere direkte Gefährdungen: Illegale Fänge bzw. Gifte zur Tötung anderer Nagetiere und Straßen

Der Feldhamster ist daher sowohl über die Berner Konvention (Anhang II) als auch über Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Anhang IV; mit Ausnahme Ungarns, wo der Feldhamster im Anhang V geführt wird) international geschützt (EUNIS Biodiversity Database). In Ungarn, der Ukraine und Rumänien wird der Hamsterfang dennoch nach wie vor gewerblich sowie zur Verhütung landwirtschaftlicher Schäden praktiziert. Zudem werden in weiteren europäischen Ländern Hamsterfelle für die Bekleidungsindustrie importiert und verkauft [6].

Lebensraum

Der ursprünglich in den Steppen Osteuropas beheimatete Feldhamster breitete sich mit der Landwirtschaft nach Westeuropa aus, wo er anstelle von Flachlandsteppen vor allem auf Ackerflächen anzutreffen ist [2]. Nach der Ernte wandert er auf benachbarte Brachen, Ruderalflächen, Wegränder, Saumstrukturen und Böschungen ab. Stellenweise werden an Getreidefelder gelegene Gärten ebenfalls besiedelt. Innerhalb seines Verbreitungsgebietes bevorzugt er tief gelegene (bis 400 m), warme Gebiete mit geringem Niederschlag. Zudem ist er aufgrund seiner grabenden Lebensweise auf tiefgründige Schwarzerde, Löß- oder Lehmböden angewiesen [3]. Der Boden muss das Graben bis in 1 m Tiefe ermöglichen und das Grundwasser darf auch bei Regen nicht höher als auf 1,2 m unter der Bodenoberfläche ansteigen [4]. Neben den eingeschränkten Grabmöglichkeiten besteht sonst die Gefahr, dass seine Vorräte durch Pilzbefall verderben [6]. Nur innerhalb seines Kernverbreitungsgebietes in Osteuropa ist er auch in Auwäldern und bei Waldlichtungen bis in die subalpine Zone zu finden [5]. Flächen mit sandig, steinigen, kalten Böden und hohem Grundwasserspiegel kann er jedoch auch dort nicht besiedeln [3].

Lebensweise

Auch wenn der Feldhamster zu allen Tageszeiten angetroffen werden kann, so ist er überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv [3]. Als Einzelgänger weist er ein hohes innerartliches Aggressionspotential auf und geht auch zur Jungenaufzucht keine Paarbindung ein. Soziale Fellpflege konnte nur zwischen Muttertieren und ihren Jungen, sowie während der Paarung beobachten werden [6]. Um Gefahren besser wahrnehmen zu können, stellen sich Feldhamster beim Verlassen ihres Baues auf die Hinterpfoten [3]. Bei äußerster Vorsicht sowie auf unbekanntem Gebiet drückt er sich während des Laufens möglichst flach auf dem Boden. Mit zunehmender Geschwindigkeit beginnt er hoher zu gehen, bis er in eine Art Sprunggalopp wechselt [6]. Versucht ein Feind ihn auszugraben, gräbt er sich tiefer ein. Ist eine Flucht nicht möglich droht und imponiert er mit seinem bunten Fell, einem aufgerichteten Körper und aufgeblasenen Backentaschen. Dabei faucht er, wetzt seine Zähne und kann bei höchster Bedrängnis seinem Gegner mitunter tiefe Bisswunden zufügen [3].
Als Einzelgänger besitzt jeder Feldhamster seinen eigenen Bau, welcher auch gegenüber Artgenossen verteidigt wird. Das um den Bau befindliche Revier wird mit Duftmarken markiert. Das Territorium der Männchen überlappt meist mehrere weibliche Territorien und ist mit 0,5 - 1 Hektar größer als die 0,5 Hektar großen Reviere der Weibchen. Die Reviergröße ist während der Paarungszeit häufig größer und mit steigender Populationsdichte nimmt die innerartliche Aggressivität ab, sodass häufig nur noch der Bau verteidigt wird. Zur Nahrungsaufnahme legt der Feldhamster bis zu mehrere Hundert Meter zurück [3]. Dementsprechend groß ist sein Aktivitätsradius, welcher zwischen 10.000 und 20.000 m² bei Männchen und bis zu 4.000 m² bei Weibchen liegt [6]. Der Bau wird bevorzugt an deckungsreichen Standorten angelegt und befindet sich bis zur Ernte meist direkt auf der Ackerfläche. Größe und Gestalt der Kammern und Gänge sind variabel und hängen unter anderem von der Bodenbeschaffenheit ab [3]. Die relativ komplexen Baue befinden sich im Sommer in 40 - 50 cm und im Winter zum Schutz vor Frost bis in 2 m Tiefe[1]. Sie werden in geeigneten Böden (trockener Lehm, Mergel, Mergel-Sand) mit Vorratskammern, Latrinen, einer Nestkammer und mindestens 2 Eingängen angelegt [2]. Die Gänge besitzen in der Regel einen Durchmesser zwischen 6 cm (Baue von Jungtieren) bis 8 cm (Baue von adulten Tieren) und sind insgesamt 10 m lang [4]. Beim Graben verwendet er eine für Hamster- und Wühlmausartige (Cricetidae) typische Technik an: Er lockert die Erde mit den Vorderpfoten und Zähne, drückt diese dann unter dem Bauch hinweg und befördert diese im Anschluss mit den Hinterbeinen weiter [6]. An der Oberfläche mündende Gänge weisen häufig fast senkrechte Fallröhren auf. Diese Röhren werden nicht wie andere Gänge von außen nach innen gegraben, sondern von innen nach außen und sind daher durch einen fehlenden Auswurf erkennbar [3]. Nur während des Winterschlafs sind die Ausgänge mit Hilfe von Erde und Pflanzenmaterialien verschlossen. Die im Zentrum befindliche Nestkammer wird mit Gräsern, Kräutern, Federn und anderen weichen Materialien ausgepolstert. Das Nest wird durch regelmäßiges Ausräumen sauber gehalten. Zudem schließen blind verlaufende Gänge an, welche als Latrinen genutzt werden. Jungtiere legen bereits mit einem Alter von 4 - 5 Wochen ihre eigenen Baue an. Diese bestehen jedoch nur aus nur einer Röhre und einer Kammer und werden erst schrittweise vergrößert [3]. Zur Versorgung im Winter transportiert der Hamster in den Backentaschen große Mengen (durchschnittlich 2,25 kg) an Nahrung in den Bau [2]. Bei einem Individuum wurden sogar 65 kg Kartoffeln, Getreide und Lupinen vorgefunden [4].
Der Winterschlaf dauert von September bis April mit zwischenzeitlichen Aufwachphasen [2]. Da Männchen sich nicht an der Jungenaufzucht beteiligen, haben sie meist im September (frühestens Ende August [1]) ausreichend Nahrung für den Winterschlaf gesammelt. Die Weibchen hingegen brauchen längere Zeit um Vorräte anzulegen. Zusammen mit den Jungtieren beginnen sie den Winterschlaf erst im Oktober. Der Winterschlaf ist gekennzeichnet von einer Reihe lethargisch wirkender Aktivitätsphasen mit Nahrungsaufnahme sowie Kot- und Urinabgabe. Bei einigen Tieren konnte sogar eine Winteraktivität außerhalb ihres Baues beobachtet werden [3]. Aus energetischen Gründen nimmt der Feldhamster während der inaktiven Phasen eine kugelförmige Haltung ein und seine Körpertemperatur sinkt auf 2,6 - 3,5 °C [3]. Diese Schlafintervalle dauern meist zwischen 5 - 15 Tage [1]. Als Erste erwachen die Männchen im März [3].

Fortpflanzung und Populationsbiologie

In Mitteleuropa findet die Fortpflanzung zwischen April und August statt [6]. Das Männchen sucht gezielt die Reviere der Weibchen auf und markiert deren Baueingänge. Die sonst einzeln lebenden Tiere sind zunächst aggressiv und kontaktscheu, legen diese Eigenschaften jedoch im Zuge eines länger andauernden Vorspiels mit Beschnuppern ab. Nach der Verpaarung im Bau des Weibchens wird das Männchen nur noch wenige Tage geduldet. Das Männchen verlässt daher auf der Suche nach weiteren paarungsbereiten Weibchen bald wieder ihr Revier [3]. Nach einer Tragzeit von 20 Tagen bringt das Weibchen zweimal im Jahr 6 - 10 Jungtiere mit 3 - 5 g Gewicht zur Welt. Die jungen Hamster sind im Vergleich mit anderen neugeborenen Nagetieren recht agil und beginnen ab dem 6. Tag feste Nahrung aufzunehmen [6]. Diese wird in Form von Grünfutter vom Muttertier in den Bau getragen [3]. Nach 12 Tagen öffnen sich die Augen [6]. Zu dieser Zeit beginnen sie die Backentaschen zu füllen und zu leeren, wobei sie sich an der Vorratskammer des Baues bedienen [3]. Bis zum 20. Tag trägt das Muttertier aus dem Nest geratene Jungtiere mit einem Nackenbiss wieder zurück, wobei die Jungen in Tragstarre fallen [4]. Nach 3 Wochen wird unter Aufsicht der Mutter die nähere Umgebung des Baus erkundet. Nach 3 Wochen haben die Jungtiere die Größe einer Feldmaus und wiegen ungefähr 100 g. Sie sind nun selbstständig und die Gruppe löst sich auf [6]. Die Geschlechtsreife erreichen Jungtiere nach 10 Wochen. Früh geborene Tiere beteiligen sich noch im selben Jahr an der Fortpflanzung [3].
Aufgrund der hohen Vermehrungsrate können Feldhamsterpopulationen hohe Dichten erreichen [3]. Lange, trockene und warme Sommer gelten als gute Hamsterjahre, da so eine längere Reproduktion möglich ist. Der Anstieg der Populationsdichte ist meist zyklisch und erreicht alle 10 - 15 Jahre ein Maximum. So konnten in den 70er Jahren in der Slowakei zum Teil 200 - 300 Individuen pro Hektar festgestellt werden [6]. Dem Anstieg folgt jedoch in der Regel nach wenigen Jahren bereits ein Zusammenbruch [3]. Im Durchschnitt liegt die Populationsdichte zwischen 0,5 - 3 Individuen pro Hektar, wobei im August die Populationsdichte am höchsten ist [6].

Nahrung

Der Feldhamster ernährt sich vorwiegend von Pflanzenteilen, Samen und Knollen. In den Hamsterbauten werden vor allem Wildkräuter, Blätter und Halme von Getreidepflanzen gefunden[4]. Der Anteil an tierischer Nahrung in Form von Regenwürmern, Schnecken, Käfern und anderen Insekten beträgt 10 - 13 % [6]. In Gefangenschaft benötigen Feldhamster je 100 Gramm Körpergewicht täglich 6,8 Gramm Mais (wobei er nur 7 % verwertet) und 5,6 Gramm Luzerne [4]. Bei Gelegenheit werden auch Jungvögel, Amphibien, Kleinsäuger sowie Junghasen und Jungkaninchen erbeutet [6]. Aufgrund des kräftigen Stängels können sie auf Maispflanzen klettern und die reifen Samen fressen. Kleine Säugetiere erlegt er durch einen gezielten Biss in deren Nacken. Der Feldhamster trägt seine gefundene Nahrung mithilfe seiner Backentaschen in seinem Bau. In diesen kann er bis zu 50 Gramm Nahrung transportieren [3]. Vor allem im Herbst nutzt er diese um seine Vorratskammer für den Winterschlaf zu füllen (siehe Lebensweise) [4]. Zum Fressen sitzt er auf seinen Hinterbeinen und hält das Futter in seinen Vorderpfoten, wo er dieses geschickt mit seinen Zähnen bearbeitet [3].

[1] Enzinger, K., & Gross, M. (2010) Aktionsplan Feldhamster (Cricetus cricetus) in Österreich unter besonderer Berücksichtigung Niederösterreichs. Naturschutzbund Niederösterreich und Lebensministerium: Wien.
[2] Grimmeberger, E., & Rudloff, K. (2009) Atlas der Säugetiere Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Natur und Tier-Verlags GmbH: Münster.
[3] Jenrich, J., Löhr, P.-W., & Müller, F. (2010) Kleinsäuger: Körper- und Schädelmerkmale, Ökologie Reihe: Beiträge zur Naturkunde in Osthessen (Hrsg. Verein für Naturkunde in Osthessen e.V.). Michael Imhof Verlag: Fulda.
[4] Niethammer, J. (1982) Cricetus cricetus (Linnaeus, 1758) - Hamster (Feldhamster). In Handbuch der Säugetiere Europas: Nagetiere II. Hrsg.: J. Niethammer & F. Krapp, S. 7-29. Aula Verlag: Wiesbaden.
[5] Spitzenberger, F. (2001) Die Säugetierfauna Österreichs Reihe: Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Band 13. Austrian Medien Service: Graz.
[6] Weinhold, U., & Kayser, A. (2006) Der Feldhamster Reihe: Die Neue Brehm-Bücherei Band 625. Westarp Wissenschaften: Hohenwarsleben.

Autoren: Dr. Christine Blatt & Dr. Stefan Resch (letzte Änderung im Aug. 2017)
Zitiervorschlag: Blatt, C. & Resch, S. (2017): Feldhamster - Cricetus cricetus. In: Internethandbuch über Kleinsäugerarten im mitteleuropäischen Raum: Körpermerkmale, Ökologie und Verbreitung. kleinsaeuger.at, Salzburg.