Geschützte Arten

Haselmaus (Muscardinus avellanarius)

Um zu beurteilen, ob ein Gebiet einen möglichen Lebensraum für die Haselmaus darstellt, führen wir zunächst eine Begehung durch, wo wir vorhandene Strukturen bewerten. Eine Nestsuche mit anschließender Auswertung der darin befindlichen Haare und Fraßspurenkartierungen können hier erfahrungsgemäß bereits zu ersten Ergebnissen führen. In Abhängigkeit des zur Verfügung stehenden zeitlichen Rahmens bringen wir infolge Haarhaftröhren (Dauer min. 1 Monat, August oder September) oder Nestboxen und -röhren (min. 3 Monate, Juni-Oktober) auf Bäumen und Sträuchern an.

Beispielprojekt: Haselmausforschung

Bereits seit dem Jahr 2011 führen wir im Triebener Moos (Steiermark) Untersuchungen über die Populationsentwicklung, Lebensraumnutzung und Mobilität der Haselmaus durch. In den ersten Jahren beschäftigten wir uns in Zusammenarbeit mit der Universität Salzburg und dem Naturschutzbund Steiermark mit der Populationsbiologie und der Habitatnutzung in den verschiedenen Lebensräumen (Auwald, Bruchwald und Gebüsch). Dafür montierten wir Haarhaftröhren sowie Nestboxen und –röhren, welche wir monatlich auf ihren Besatz kontrollieren. Im Auftrag des Landes Steiermark wurde im Jahr 2015 das Projekt erweitert, sodass wir seit 2015 auch Fragestellungen zur Mobilität untersuchen und mittels Data-Loggern erste Hinweise zum Einfluss veränderter klimatischer Bedingungen auf die Fortpflanzung erhalten.

Resch, S., Blatt, C. & Slotta-Bachmayr, L. (2015): Populationsdichte und Habitatnutzung der Haselmaus Muscardinus avellanarius in einem Niedermoor. Joannea Zoologie,4: 5-23. >PDF<
Resch, S. & Blatt, C. (2012) Haselmäuse. Natur und Land, 2: 40–43. >PDF<
Blatt, C., Resch, S. & Slotta-Bachmayr, L. (2015): Die Kleinsäugergemeinschaften in den Lebensräumen eines Niedermoores am Beispiel des Triebener Mooses (Steiermark, Österreich). Joannea Zoologie: 25-36. >PDF<

Baumschläfer (Dryomys nitedula)

Nach einer ersten Geländebesichtigung zur Bewertung der Lebensraumeignung, montieren wir je nach zeitlichem Rahmen Haarhaftröhren (Dauer min. 1 Monat, August oder September) oder Nestboxen und -röhren (min. 3 Monate, Juni-Oktober) auf Bäumen und Sträuchern.

Beispielprojekt: Der Baumschläfer im Salzkammergut

In Zusammenarbeit mit dem Haus der Natur möchten wir den Baumschläfer im Salzkammergut wiederentdecken! In der Gemeinde Faistenau haben wir daher gemeinsam mit Mitgliedern der Plattform Säugetiere Nestboxen und –röhren montiert, welche im Sommer und Herbst auf ihren Besatz kontrolliert werden.
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Siebenschläfer (Glis glis)

SiebenschläferWie bei den anderen geschützten Bilchen (Haselmaus und Baumschläfer) montieren wir je nach zeitlichem Rahmen Haarhaftröhren (Dauer min. 1 Monat, August oder September) oder Nestboxen (min. 3 Monate, Juni–Oktober) auf Bäumen und Sträuchern.

Beispielprojekt: Haselmäuse und Siebenschläfer im Nationalpark Gesäuse

Im Nationalpark Gesäuse wurden im Jahr 2012 mit der Haselmaus und dem Siebenschläfer die Vorkommen zweier Bilcharten dokumentiert. Die Auen entlang der Enns und die vegetationsreichen Ränder der Schuttkegel erwiesen sich dabei als potenzielle Lebensräume. Das Projekt sollte an den Beispielen Haslau und Scheibenbauernschütt unter Verwendung von 20 Nestboxen und 80 Neströhren Aufschluss über die Bedeutung dieser Standorte für die beiden Arten geben. Während sich der Siebenschläfer unspezifisch gegenüber Umweltfaktoren zeigte, lagen die Neststandorte der Haselmaus vorwiegend in lichten Bereichen mit einer ausgeprägten Krautschicht und einer vergleichsweise geringen Deckung der Strauch- und Baumschicht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass in geeigneten Lebensräumen im Nationalpark von einer durchschnittlichen bis hohen Populationsdichte des Siebenschläfers und von einer geringen Populationsdichte der Haselmaus auszugehen ist. Zusätzlich zur Untersuchung ausgewählter Flächen erfolgten Spurenkartierungen und die Bewertung des Johnsbachtals als potenziellem Verbreitungskorridor der Haselmaus. Hier zeigte sich, dass trotz teilweise starker Einschränkungen eine durchgehende Nutzung stattfindet.

Blatt C. & Resch, S. (2013): Haselmäuse und Siebenschläfer im Nationalpark Gesäuse - Steiermark. Im Auftrag der Nationalpark Gesäuse GmbH. Salzburg. >PDF<

Birkenmaus (Sicista betulina)

Scheint ein Vorkommen von Birkenmäusen in einem Gebiet möglich zu sein, legen wir Fotofallen und Haarhaftröhren an geeigneten Standorten am Boden aus. Zusätzlich führen wir nach Bedarf Lebendfänge durch, wobei wir aufgrund der geringen Fängigkeit der Art auf ein breites Methodenspektrum setzen und verschiedene Lebendfallen verwenden.

Beispielprojekt: Die Birkenmaus in Oberösterreich

Im Auftrag des Landes Oberösterreich führen wir Kartierungen der Birkenmaus an ausgewählten Standorten durch. Dazu legen Haarhaftröhren aus und nutzen eine neue Methode mit Fotofallen, welche bereits in Deutschland und Schweden gute Ergebnisse lieferte. Auf besonders gut geeigneten Flächen führen wir Lebendfänge mit Trip-Trap Fallen, Sherman-Fallen und Longworth-Fallen durch.

Blatt, C. & Resch, S. (in prep): The use of camera-traps and hair tubes to detect small mammals in alpine habitats.
Blatt, C. & Resch, S. (2014): Kleinsäugeruntersuchung im Bundesland Salzburg, Natur Land Salzburg, 21: 36–41.>PDF<

Zwergmaus (Micromys minutus)

Kleinere Zwergmauspopulationen sind oft schwer nachzuweisen. Als kostengünstige Kartierungsmethode verwenden wir Nestbälle. Wie bei Nestkartierungen werten wir vorgefundenes Nestmaterial im Labor aus, wobei wir zum Artnachweis auf eine mikroskopische Artdetermination zurückgreifen. Lebendfänge führen wir vorwiegend im Herbst durch, wenn die Populationsdichten am höchsten sind und die Tiere in ihre am Boden befindlichen Winternester wechseln.

Beispielprojekt: Die Zwergmaus in Salzburgs Feuchtgebieten

Im Sommer und Herbst 2013 wurde im Bundesland Salzburg (Österreich) eine Kleinsäugeruntersuchung in Mischwäldern, Feuchtgebieten und im alpinen Raum durchgeführt. Ziel war es mit möglichst gering-invasiven und wiederholbaren Methoden geschützte Art zu erfassen. Für den Projektteil „Kleinsäuger in Feuchtgebieten“ wurden insgesamt 300 Neströhren zum Nachweis der Haselmaus, 100 Losungstunnel und Lebendfänge zur Dokumentation von Wasserspitzmäusen und Sumpfspitzmäusen sowie 100 Nestbälle zur Erfassung von Vorkommen der Zwergmaus in zehn Schutzgebieten eingesetzt. Spurensuchen (Nester, Baue und Fraßspuren an Haselnüssen) sowie Totfunde und Sichtbeobachtungen ergänzten die Datengrundlage. Der entscheidende Vorteil der gewählten Methoden zeigte sich darin, dass die geschützten Tierarten in ihrer Lebensweise nur gering beeinträchtigt wurden und dennoch großflächig mit optimiertem Aufwand aussagekräftige Ergebnisse gewonnen werden konnten.

Blatt, C. & Resch, S. (2015): Erfassung geschützter Kleinsäugerarten in Salzburgs Feuchtgebieten, Mitteilungen des Hauses der Natur, 22: 103–111. >PDF<
Blatt, C. & Resch, S. (2014): Kleinsäugeruntersuchung im Bundesland Salzburg, Natur Land Salzburg, 21: 36–41.>PDF<

Sumpf- und Wasserspitzmaus (Neomys anomalus und N. fodiens)

Zum Nachweis der gefährdeten Wasserspitzmaus verwenden wir Losungstunnel (baited tubes). Entlang der Gewässerabschnitte mit potentiellen Vorkommen legen wir für min. eine Woche mit Mehlwürmen beköderte Röhren aus. Die darin befindlichen Losungen werden im Labor untersucht und aufgrund der charakteristischen Zusammensetzung der Wasserspitzmaus zugeordnet. Da bei uns auch die Sumpfspitzmaus verbreitet ist, sind anschließende Lebendfänge an Standorten mit Nachweisen der Gattung Wasserspitzmaus unumgänglich.

Beispielprojekt: Wasserspitzmäuse am Johnsbach

Die Wasserspitzmaus ist aufgrund ihres Schutzstatus sowie der geringen Zahl aktueller Nachweise in der Region für den Nationalpark Gesäuse von besonderem Interesse. Infolge der Sichtbeobachtung eines Individuums der Gattung Neomys entlang des Johnsbachs im Jahr 2012 untersuchten wir etwaige Vorkommen. Zwischen Juli und August 2013 legten wir zur Erhebung potenzieller Standorte beköderte Losungstunnel am Ufer des Johnsbachs aus. Anschließend führten wir an Orten mit positiven Ergebnissen Lebendfänge mit Longworth- und Trip-Trap-Fallen durch. Unter den nachgewiesen Kleinsäugetieren fanden sich auch Wasserspitzmäuse. Nachweise gelangen im, durch unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten gekennzeichneten, beidseitig bewaldeten Unterlauf. Flussaufwärts konnte nur dort ein Vorkommen festgestellt werden, wo kleine Rinnsale und angespültes Gehölz Strukturvielfalt schaffen.

Blatt C. & Resch, S. (2013): Die Wasserspitzmaus und andere Kleinsäuger entlang des Johnsbachs (Nationalpark Gesäuse – Steiermark). Im Auftrag der Nationalpark Gesäuse GmbH. Salzburg. >PDF<

Fledermäuse

Als Mitglieder der KFFÖ sind uns auch die geflügelten Kleinsäuger ein großes Anliegen. Vorwiegend beschäftigen wir uns mit der Erfassung von Fledermausarten an neuen Standorten und der Kontrolle (Begehungen und Ausflugszählungen) von bekannten Wochenstuben.

Gerne beraten wir bei Problemen und informieren im Rahmen von Exkursionen!

Biber (Castor fiber)

Der Biber ist wieder zurück in Österreich! Ein für viele erfreuliches Ereignis, welches jedoch auch ein hohes Konfliktpotential birgt. Wir beschäftigen uns vorwiegend mit den Bibern in Oberösterreich (Habitatmodellierung und Dateneingabe im Auftrag des Landes Oberösterreich), Salzburg (regelmäßige Revierkartierungen im Auftrag des Landes Salzburg und Haus der Natur sowie Konfliktberatung und Projektbegleitung) und Steiermark (Beobachtung der Rückkehr in die Obersteiermark). Zudem beraten wir gerne bei Konflikten!

Amphibien

Mit dem fortschreitenden Ausbau von Straßen und dem Rückgang von Feuchtgebieten sind Amphiben zunehmend gefährdet. Neben Kartierungen betreuen wir einen Amphibienschutzzaun entlang der Schoberpass-Bundesstraße in Trieben (Steiermark), wo wir mit freiwilligen Helfern jährlich bis zu 3.500 Amphibien sicher über die Straße bringen!