Bayerische Kurzohrmaus - Microtus bavaricus

Name: Microtus bavaricus (König, 1962); Bayerische Kleinwühl- oder Kurzohrmaus (D), Bavarian pine vole (E)
Größe: Kopf-Rumpf: 90106 mm; Hinterfuß: 1617 mm; Schwanz: 3440 mm; Gewicht: 1828 g [1]
Fell: hell-graubrauner Rücken, grauweißer tlw. gelblich getönter Bauch, Grenze zwischen Ober- und Unterseite fließend [1]
Augen/Ohren: sehr kleine Augen, Ohren im Fell verborgen [1]
Schwanz: Oberseite gleiche Färbung wie Rücken, an der Unterseite weißgrau [1]
Verbreitung: kleines Verbreitungsareal im Grenzbereich Bayern und Tirol mit Nachweisen bei Garmisch-Partenkirchen (D) in den Jahren 1961 und 1962 und dem Rofangebirge (AUT) im Jahr 2008 [1]; Neuere Nachweise auch aus Kroatien [7]. Mehr Info: GeoMaus-Karte.
Lebensraum: Feuchte Wiesenhänge und lichter Wälder mit Bächen [1] der tief-und mittelmontanen Zone zwischen 730 und 1.000m Höhe [4]
Ähnliche Arten: meist größer und heller gefärbt als die Kleinohrmaus (Microtus subterraneus) [2] und Hinterfuß oft über 16 mm [3], meist aber nur durch molekularbiologischen Methoden oder durch eine Bestimmung der Schädelmerkmale eindeutig zu unterscheiden [1] >Bestimmungsschlüssel<
Sytematik: Ordnung: Nagetiere (Rodentia) → Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha) → Überfamilie: Mäuseartige (Muroirdea) → Familie: Hamster- und Wühlmausartige (Cricetidae) → Unterfamilie: Wühlmäuse und Lemminge (Arvicolinae) → Gattung Feldmäuse (Microtus) → Untergattung (Terricola)

Lebensraum

Die wenigen dokumentierten Vorkommen der Bayerischen Kurzohrmaus liegen auf einer feuchten, nicht gedüngten Hangmähwiese und entlang eines Baches, welcher durch einen beweideten grasig-krautigen Fichten-/Buchenwald fließt [4]. Nasse und trockene sowie stark besonnene Standorte scheint sie zu meiden [3].

Lebensweise

Die Bayerische Kurzohrmaus besitzt sowohl am Tag als auch in der Nacht mehrere Aktivitätsphasen. Sie gräbt flache unterirdische Gänge oder benutzt Gangsysteme anderer Arten. Der Erdauswurf am Eingang ist meist klein und flach [1]. Oberirdische Wechsel treten vor allem im Herbst auf und verlaufen unter gut geschützten Stellen in dichter Vegetation [3].

Fortpflanzung und Populationsbiologie

Über die Fortpflanzungsbiologie der Bayerischen Kurzohrmaus ist nur wenig bekannt. Sie bekommt nur 2-3 Mal Jahr Junge [1].

Nahrung

Sie ernährt sich überwiegend von den Wurzeln und grünen Teilen der Kräuter und Gräser in ihrem Lebensraum [1].

Feinde und Konkurrenz

Feldmäuse (M. arvalis) [1] und Kurzohrmäuse (M. subterraneus) [5] stellen für die Bayerische Kurzohrmaus vermutlich eine große Konkurrenz dar. Als Fressfeinde sind wie bei allen Feldmäusen (Microtus) vorkommende Wieselarten (Mustela sp.), der Rotfuchs (Vulpes vulpes) sowie im Verbreitungsgebiet beheimatete Eulen und Greifvögel zu nennen.

Gefährdung und Schutz

Die Bayerische Kurzohrmaus gilt in der Roten Liste Deutschlands als ausgestorben oder verschollen [6]. Die letzten Tiere wurden 1962 gefangen. Es ist daher anzunehmen, dass die Art nur noch in Österreich im Rofangebirge vorkommt [4]. Bei diesem Tiroler Vorkommen handelt es sehr wahrscheinlich um eine isolierte Kleinstpopulation, welche die letzte Eiszeit am Alpennordrand überdauert hat. Österreich hat dieser Art gegenüber eine sehr hohe Verantwortung. In der Roten Liste wird sie bereits als eine vom Aussterben bedrohte Art geführt [5].

[1] Grimmberger, E. (2014): Die Säugetiere Deutschlands. Quelle & Meyer, Wiebelsheim.
[2] Kraft, R. (2008): Mäuse und Spitzmäuse in Bayern: Verbreitung, Lebensraum, Bestandssituation. Ulmer Verlag, Stuttgart.
[3] Niethammer, J. (1982): Microtus bavaricus (König, 1962) - Bayerische Kurzohrmaus. In Handbuch der Säugetiere Europas: Nagetiere II. Hrsg.: J. Niethammer & F. Krapp, S. 447-451, Aula Verlag, Wiesbaden.
[4] Spitzenberger, F. (2001): Die Säugetierfauna Österreichs Reihe: Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Band 13. Austrian Medien Service, Graz.
[5] Zulka, P. (2005): Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs: Checklisten, Gefährdungsanalysen, Handlungsbedarf - Teil 1: Säugetiere, Vögel, Heuschrecken, Wasserkäfer, Netzflügler, Schnabelfliegen, Tagfalter. Grüne Reihe des Lebensministeriums. Böhlau Verlag, Wien.
[6] Haupt, H., Ludwig, G., Gruttke, H., Binot-Hafke, M., Otto, C. & Pauly, A. (Hersg.) (2009): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 1: Wirbeltiere. Bundesamt für Naturschutz, Bonn-Bad Godesberg.
[7] Tvrtković, N.; Pavlinić, I. & Podnar, M. (2010): Microtus bavaricus discovered in Croatia: Southern refugium or geographical variation? Mammalian biology 75(6): 561-566.

Autoren: Dr. Christine Blatt & Dr. Stefan Resch (letzte Änderung im Apr. 2017)
Zitiervorschlag: Blatt, C. & Resch, S. (2017): Bayerische Kurzohrmaus - Microtus bavaricus. In: Internethandbuch über Kleinsäugerarten im mitteleuropäischen Raum: Körpermerkmale, Ökologie und Verbreitung. kleinsaeuger.at, Salzburg.