Illyrische Kurzohrmaus - Microtus liechtensteini

Name: Microtus liechtensteini (Wettstein, 1927); Illyrische Kleinwühlmaus,  Liechtensteins Kleinwühlmaus (D), Liechtenstein's pine vole (E)
Größe: Kopf-Rumpf: 90–115 mm; Hinterfuß: 15–17 mm; Schwanz: 30–44 mm; Gewicht: 19–30 g [2]
Fell: rotbrauner Rücken, grauweißer tlw. gelblicher Bauch [2]
Augen/Ohren: sehr kleine Augen, Ohren im Fell verborgen
Verbreitung: Endemisch in Europa mit Verbreitung in Österreich, Ost-Italien, Slowenien, Bosnien und Kroatien [6]; AUT: Südliche und Nördliche Kalkalpen und Zentralalpen [5]; Mehr Info: GeoMaus-Karte. Ihre Höhenverbreitung erstreckt sich vom Meeresspiegel bis 1.700 m Höhe [6]
Lebensraum: offene Standorte mit dichter Krautschicht [5]
Ähnliche Arten: von der Kleinohrmaus (Microtus subterraneus) und Bayerischen Kurzohrmaus (M. bavaricus) meist nur durch molekularbiologische Methoden oder durch eine Bestimmung der Schädelmerkmale eindeutig zu unterscheiden >Bestimmungsschlüssel<
Sytematik: Ordnung: Nagetiere (Rodentia) → Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha) → Überfamilie: Mäuseartige (Muroirdea) → Familie: Hamster- und Wühlmausartige (Cricetidae) → Unterfamilie: Wühlmäuse und Lemminge (Arvicolinae) → Gattung Feldmäuse (Microtus) → Untergattung (Terricola)

Die Illyrische Kurzohrmaus wurde bis zum Jahr 2000 als Unterart der Alpen-Kleinwühlmaus oder Fatio-Kleinwühlmaus (Microtus multiplex) betrachtet [1]. Informationen zur ihrer Biologie stammen daher überwiegend von dieser sehr ähnlichen Kleinwühlmaus. Insgesamt gibt es leider bis heute von beiden Arten nur wenig Wissen über Lebensweise, Fortpflanzung und Ernährung.

Lebensraum

Die Illyrische Kurzohrmaus bewohnt offene Standorte mit dichter Krautschicht wie Weiden, Wiesen, lichte Wälder und Waldlichtungen [6]. Innerhalb ihres alpinen Verbreitungsgebietes ist sie zudem auch in montanen Buchen-Tannen-Fichtenwäldern zu finden. Neben einer gut deckenden Vegetation weisen Fundorte häufig eine Nähe zu Gewässern auf [5].

Lebensweise

Die Illyrische Kurzohrmaus ist vermutlich wie die Alpenwühlmaus sowohl tag- als auch nachtaktiv und zeigt 8–16 Aktivitätsphasen pro Tag. Ihre Reviergröße beträgt 200–400 m², wobei jenes der Männchen in der Regel größer ist. Häufig leben ein Männchen und ein Weibchen gemeinsam in einem Territorium. Sie leben in einem weit verzweigten unterirdischen Bau mit 1–7 Nester. Die Illyrische Kurzohrmaus gräbt diese selbst oder nutzt Gänge anderer Kleinsäuger, wie dem Maulwurf. Insgesamt kann ihr Gangsystem eine Ausdehnung von mehreren Hundert Quadratmetern besitzen. Oberirdische Laufwege werden hingegen seltener und nur bei vorhandener Schneedecke genutzt [3].

Fortpflanzung und Populationsbiologie

Über die Fortpflanzungsbiologie der Illyrischen Kurzohrmaus ist nur wenig bekannt. Es wird angenommen, dass sich ihre Fortpflanzungszeit über das ganze Jahr erstreckt, wobei Winter- und Sommerpausen auftreten können [3]. Die Anzahl der Jungen pro Wurf beträgt 2–4 Tiere [2]. Die Anzahl der Würfe scheint stark von der Jahreszeit und vom Klima abzuhängen. Die Populationsdichte schwankt und kann bis zu 40 Individuen pro Hektar betragen [3]. Gegen Ende des Sommers sterben die meisten Kurzohrmäuse. Die Lebenserwartung einer Illyrischen Kurzohrmaus ist mit weniger als 1 Jahr gering [3].

Nahrung

Sie ernährt sich überwiegend von saftigen Pflanzenteilen wie Blattstielen und Blättern. Daneben frisst sie Wurzeln, Rinde und Beeren. In Vorratskammern sammelt sie zudem Pflanzenknollen [2].

Feinde und Konkurrenz

Wie bei der Bayerischen Kurzohrmaus stellen vermutlich Feldmäuse (M. arvalis) und Kurzohrmäuse (M. subterraneus) eine große Konkurrenz dar. Als Fressfeinde sind wie bei allen Feldmäusen (Microtus) vorkommende Wieselarten (Mustela sp.), der Rotfuchs (Vulpes vulpes) sowie im Verbreitungsgebiet beheimatete Eulen und Greifvögel zu nennen.

Gefährdung und Schutz

Als besonders gefährdet können die kleinen und isolierten Vorkommen im Salzburger Lungau und im Toten Gebirge betrachtet werden. Weniger akut scheint ihre Gefährdung in ihrem kroatisch-slowenischen Verbreitungsgebiet zu sein [5]. In Österreich gilt die Illyrische Kurzohrmaus als eines der seltensten Säugetiere [4].

[1] Haring, E., B. Herzig‐Straschil & F. Spitzenberger (2000): Phylogenetic analysis of Alpine voles of the Microtus multiplex complex using the mitochondrial control region. Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research 38: 231-238.
[2] Niethammer, J. (1982): Microtus multiplex (Fatio, 1905) - Alpen-Kleinwühlmaus. In Handbuch der Säugetiere Europas: Nagetiere II. Hrsg.: J. Niethammer & F. Krapp, S. 419-428, Aula Verlag, Wiesbaden.
[3] Salvioni, M. (1995) Pitymys multiplex (Fatio, 1905). In Die Säugetiere der Schweiz: Verbreitung, Biologie und Ökologie. Hrsg.: J. Hausser, Band 103, S. 319-323. Birkäuser Verlag, Basel.
[4] Spitzenberger, F., Gutleb, B., & Zedrosser, A. (1996): Die Säugetiere Kärntens-Teil 2. Carintha II, S. 197-304.
[5] Spitzenberger, F. (2001): Die Säugetierfauna Österreichs Reihe: Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Band 13. Austrian Medien Service, Graz.
[6] Spitzenberger, F., Amori, G., Hutterer, R., Kryštufek, B., Yigit, N., Mitsain, G. & Palomo, L.J. (2008): Microtus liechtensteini. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: 16.10.2015.

Autoren: Dr. Christine Blatt & Dr. Stefan Resch (letzte Änderung im Apr. 2017)
Zitiervorschlag: Blatt, C. & Resch, S. (2017): Illyrische Kurzohrmaus - Microtus liechtensteini. In: Internethandbuch über Kleinsäugerarten im mitteleuropäischen Raum: Körpermerkmale, Ökologie und Verbreitung. kleinsaeuger.at, Salzburg.