Spitzmäuse - Soricidae

Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)

Spitzmausartige (Soricomorpha): Die Ordnung stellt ausgehend von genetischen Untersuchungen eine neue taxonomische Gliederung der früheren Insektenfresser (Eulipotyphla) dar. Demnach zählen heute Maulwürfe (Talpidae), Spitzmäuse (Soricidae) und Schlitzrüssler (Solenodontidae) zur Ordnung der Spitzmausartigen (Soricomorpha) und Igel (Erinaceidae) zur Ordnung der Igelartigen (Erinaceomorpha) [2].

Spitzmäuse (Soricidae): Innerhalb der Spitzmäuse gibt es 26 Gattungen mit 376 Arten [2]. Auch wenn Spitzmäuse mausähnlich sind, haben sie mit Echten Mäusen (Murinae) und Wühlmäusen (Arvicolinae) nur wenige Gemeinsamkeiten. Anhand ihrer rüsselförmigen Schnauze können sie leicht erkannt und bestimmt werden. Der Rüssel stellt eine Verlängerung der Oberlippe dar und dient unter anderem zur Beuteortung. Während sie über einen sehr guten Tast- und Hörsinn verfügt, ist ihr Sehsinn schlecht ausgebildet. Die Augen dienen ihr vor allem zur Wahrnehmung von Helligkeit und sind nur im Nahbereich effizient. Damit mehrere Arten im selben Gebiet vorkommen können, verhalten sich kleinere Spitzmausarten in der Regel gegenüber größeren defensiv und weichen ihnen aus. So dominiert zum Beispiel die größere Wasserspitzmaus über die Sumpfspitzmaus. Besonders interessant ist das breite Spektrum von Stimmäußerungen, welches von einem leisen Zwitschern bis zu lauten Tönen reicht. Der Großteil dieser Laute liegt jedoch im Ultraschallbereich und ist für Menschen nicht hörbar. Durch hohen Stoffwechsel und kurzen Darm besitzen Spitzmäuse innerhalb eines Tages mehrere Aktivitätsphasen, in welchen sie Nahrung aufnehmen müssen. Die Tiere haben eine nur geringe Lebenserwartung von 1 bis 2 Jahre mit sehr hoher Wintersterblichkeit. Ein Weibchen kann 3 - 4 Mal im Jahr Junge zur Welt bringen. Die Wurfgröße beträgt zwischen 3 - 9 Tiere, welche nackt, blind und taub auf die Welt kommen und nach 28 - 40 Tagen selbstständig sind. Werden die Jungen zunächst vom Weibchen mittels Tragstarre zurück ins Nest gebracht, bilden sich später sogenannte »Karawanen«, bei welchen die Tiere in einer Reihe dem Muttertier folgen. Die Jungtiere beißen dabei in das Fell der Schwanzbasis des Vordertieres (Beißkarawane) oder bleiben in engen Körperkontakt (Tastkarawane). Ihre hauptsächlich tierische Nahrung besteht aus Schnecken, Würmern, Spinnen, Insekten sowie bei Wasserspitzmäusen aus kleine Krebsen und Fischen. Bei Gelegenheit fressen Spitzmäuse auch Kadaver, selbst von Artgenossen. Verhaltensmuster der Jagd entsprechen jenen der größeren Raubtiere. So beißt sie mehrmals zu und schüttelt das Beutetier, bis es tot ist. Danach beginnt sie mit dem Fressen, wobei sie ihre Nahrung mit der Vorderpfote zu Boden drückt und einzelne Stücke abbeißt [1].

Unterfamilie: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae)

Rotzahnspitzmäuse (Soricinae) tragen ihren Namen aufgrund ihrer 30 Zähne mit roten Zahnspitzen [1]. Die Färbung entseht durch Ablagerung von Eisen im Zahnschmelz und erhöht die Abriebfestigkeit der Zähne [5].

Stamm Soricini - Gattung Eigentliche Rotzahnspitzmäuse (Sorex) - Untergattung Sorex: Die Eigentlichen Rotzahnspitzmäuse gehören zum Stamm der Soricini, unsere heimischen Vertreter die Waldspitzmaus (Sorex (Sorex) araneus), Schabrackenspitzmaus (Sorex (Sorex) coronatus), Zwergspitzmaus (Sorex (Sorex) minutus) und Alpenspitzmaus (Sorex (Sorex) alpinus) werden in der Untergattung Sorex zusammengefasst. Innerhalb der Spitzmäuse haben sie aufgrund ihrer geringen Körpergröße den höchsten Energiebedarf. Ihrer Territorien sind deshalb meist größer und müssen ausreichende Nahrungsressourcen beinhalten. Saisonale Veränderungen der Organgewichte erhöhen ihre Überlebenschancen im Winter (= Dehnel´sche Winterdepression), denn in den Wintermonaten ist nur das Herz in seiner ursprünglichen Größe und somit, durch die geringere Masse der anderen Organe, leistungsfähiger [1].

Stamm Nectogalini - Gattung Wasserspitzmäuse (Neomys): Die Wasserspitzmäuse gehören zum Stamm der Nectogalini, welcher 7 Gattungen, darunter auch die hier vorgestellten Wasserspitzmäuse, zusammenfasst. Da sich Wasserspitzmäuse auch im Wasser aufhalten, ist ihr Fell nicht nur besonders dicht, sondern hält durch elektrostatische Aufladung auch die Haut trocken. Die bei uns verbreiteten Arten sind semi-aquatisch, wobei die Sumpfspitzmaus (N. anomalus) eine höhere ökologische Plastizität aufweist und die Wasserspitzmaus (Neomys fodiens) morphologisch besser an das Tauchen angepasst ist [1].

Unterfamilie: Weißzahnspitzmäuse (Crocidurinae)

Gattung Weißzahnspitzmäuse (Crocidura): Zur Gattung zählen 172 Arten, darunter die bei uns heimischen Feldspitzmäuse (Crocidura leucodon), Hausspitzmäuse (C. russula) und Gartenspitzmäuse (C. suaveolens). Wie ihr Name bereits vermuten lässt, besitzen sie im Gegensatz zu den Rotzahnspitzmäusen weiße Zähne [3]. Aufgrund der am Schwanzende hervorstehenden Borsten werden sie auch Wimperspitzmäuse genannt [1]. Bei diesen Spitzmausarten ragen die Ohren deutlich sichtbar aus dem Fell und an der Schnauze befinden sich lange Vibrissen. Ihr Energieumsatz ist niedriger als jener der Rotzahnspitzmäuse [3]. Zudem können sie in Lethargie fallen, sodass sie Hungerzustände länger ertragen und älter werden [4]. Ein auffälliges Merkmal stellt die Bildung sogenannter "Karawanen" zur Führung ihrer Jungtiere dar. Die Jungtiere beißen sich oberhalb der Schwanzwurzel ihres Vorgängers fest, sodass eine Kette entsteht, welche vom Muttertier angeführt wird [3].

[1] Jenrich, J., Löhr, P.-W., & Müller, F. (2010): Kleinsäuger: Körper- und Schädelmerkmale, Ökologie. Beiträge zur Naturkunde in Osthessen (Hrsg. Verein für Naturkunde in Osthessen e.V.). Michael Imhof Verlag, Fulda.
[2] Wilson, D. E., & Reeder, D. M. (2005): Mammal species of the world - A taxonomic and geographic reference: Order Rodentia. (3. Auflage). Johns Hopkins University Press, Baltimore (Online Version).
[3] Grimmberger, E., & Rudloff, K. (2009): Atlas der Säugetiere Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Natur und Tier-Verlags GmbH, Münster.
[4] Grimmberger, E. (2014): Die Säugetiere Deutschlands. Quelle & Meyer, Wiebelsheim.
[5] Macdonald, D. (2004): Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Könemann (Tandem Verlag), Königswinter.