Illyrische Kurzohrmaus - Microtus liechtensteini

Name: Microtus liechtensteini (Wettstein, 1927); Illyrische Kleinwühlmaus, Liechtensteins Kleinwühlmaus, Bayerische Kurzohrmaus (bavaricus) (D); Liechtenstein's Pine Vole, Bavarian Pine Vole (bavaricus) (E)
Größe: Kopf-Rumpf: 88–115 mm; Hinterfuß: 15–17 mm; Schwanz: 27-40 mm; Ohr: 6–9 mm, Gewicht: 14–33 g
Fell: variabel rotbrauner/gelblichbrauner/dunkelbrauner Rücken, grauweißer tlw. gelblich getönter Bauch
Augen/Ohren: sehr kleine Augen, kurze Ohren im Fell verborgen
Verbreitung: Alpen und Dinarisches Gebirge, Süddeutschland, Osten und Süden Österreichs, Nordosten Italiens, Slowenien, Kroatien, Westen Bosnien und Herzegowinas, Westen Serbiens; AUT: Südliche und Nördliche Kalkalpen und Zentralalpen; Mehr Info: GeoMaus-Karte. Ihre Höhenverbreitung erstreckt sich vom Meeresspiegel bis 1.960 m
Lebensraum: frühe Sukzessionsstadien, offene, mäßig feuchte Standorte mit dichter Krautschicht, Waldränder, Lichtungen, Almen, Kahlschläge
Ähnliche Arten: von der Kurzohrmaus (Microtus subterraneus) meist nur durch molekularbiologische Methoden oder durch eine Bestimmung der Schädel- oder Zahnmerkmale eindeutig zu unterscheiden >Bestimmungsschlüssel<
Sytematik: Ordnung: Nagetiere (Rodentia) → Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha) → Überfamilie: Mäuseartige (Muroirdea) → Familie: Hamster- und Wühlmausartige (Cricetidae) → Unterfamilie: Wühlmäuse und Lemminge (Arvicolinae) → Gattung Feldmäuse (Microtus) → Untergattung (Terricola)

Die Illyrische Kurzohrmaus wurde bis zum Jahr 2000 als Unterart der Alpen-Kleinwühlmaus oder Fatio-Kleinwühlmaus (Microtus multiplex) betrachtet. Informationen zur ihrer Biologie stammen daher überwiegend von dieser sehr ähnlichen Kleinwühlmaus. Insgesamt gibt es leider bis heute von beiden Arten nur wenig Wissen über Lebensweise, Fortpflanzung und Ernährung.

Lebensraum

Die Illyrische Kurzohrmaus bewohnt offene Standorte mit dichter Krautschicht wie extensive Weiden, Wiesen, Almen, frühe Sukzessionsstadien von Schlägen, Waldränder und Waldlichtungen. Innerhalb ihres alpinen Verbreitungsgebietes ist sie zudem auch in montanen Buchen-Tannen-Fichtenwäldern zu finden. Neben einer gut deckenden Vegetation weisen Fundorte häufig eine Nähe zu Gewässern auf.

Lebensweise

Die Illyrische Kurzohrmaus ist dämmerungs- und nachtaktiv. Sie gräbt und nutzt auch die Gangsysteme anderer Kleinsäuger. Oberirdisch bleibt sie in der Deckung einer dichten Krautschicht.

Fortpflanzung und Populationsbiologie

Über die Fortpflanzungsbiologie der Illyrischen Kurzohrmaus ist nur wenig bekannt. Es wird angenommen, dass sich ihre Fortpflanzungszeit in geeigneten Klimaten über das ganze Jahr erstreckt, wobei bei ungünstigen Bedingungen Winter- und Sommerpausen auftreten können. Die durchschnittliche Wurfgröße beträgt 2,6 Tiere. Die Anzahl der Würfe scheint stark von der Jahreszeit und vom Klima abzuhängen und liegt bei mindestens 2 und durchschnittlich 3 bis 4 Würfen/Jahr. Die Populationsdichte schwankt und kann bis zu 40 Individuen pro Hektar betragen [3]. Gegen Ende des Sommers sterben die meisten Kurzohrmäuse. Die Lebenserwartung einer illyrischen Kurzohrmaus ist mit weniger als 1 Jahr gering

Nahrung

Sie ernährt sich überwiegend von saftigen Pflanzenteilen wie den Blattstielen und Blättern. Daneben frisst sie Wurzeln und Zwiebeln sowie Samen, Früchte, Pilze und Flechten. In Vorratskammern sammelt sie zudem Pflanzenknollen.

Feinde und Konkurrenz

Vermutlich stellen Feldmäuse (M. arvalis) und Kurzohrmäuse (M. subterraneus) eine große Konkurrenz dar. Als Fressfeinde sind wie bei allen Feldmäusen (Microtus) vorkommende Wieselarten (Mustela sp.), der Rotfuchs (Vulpes vulpes) sowie im Verbreitungsgebiet beheimatete Eulen und Greifvögel zu nennen.

Gefährdung und Schutz

Als besonders gefährdet können die kleinen und isolierten Vorkommen im Salzburger Lungau und im Toten Gebirge betrachtet werden. Weniger akut scheint ihre Gefährdung in ihrem kroatisch-slowenischen Verbreitungsgebiet zu sein.

Bayerische Kurzohrmaus

Die Bayerische Kurzohrmaus wurde lange Zeit als eigene Art angesehen. In Deutschland galt sie als ausgestorben seit die letzten Tiere 1962 bei Garmisch-Partenkirchen gefangen wurden. Das Vorkommen im Tiroler Rofangebirge stellte danach das letzte bekannte Vorkommen der Bayerischen Kurzohrmaus dar bis genetische Erkenntnisse nahelegten, dass es sich bei dieser um eine Unterart der Illyrischen Kurzohrmaus M. liechtensteini handelt.

Wilson, D. E.; Lacher, T. E. & Mittermeier, R. A., eds. (2017). Handbook of the Mammals of the World: Rodents II. Lynx Edicions, Barcelona.
Grimmberger, E. (2017): Die Säugetiere Mitteleuropas. Quelle & Meyer Verlag GmbH, Wiebelsheim.
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Tvrtković, N.; Pavlinić, I. & Podnar, M. (2010): Microtus bavaricus discovered in Croatia: Southern refugium or geographical variation? Mammalian biology 75(6): 561-566.
Haring, E.; Herzig‐Straschil, B. & Spitzenberger, F. (2000): Phylogenetic analysis of Alpine voles of the Microtus multiplex complex using the mitochondrial control region. Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research 38: 231-238.
Spitzenberger, F. (2001): Die Säugetierfauna Österreichs Reihe: Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Band 13. Austrian Medien Service, Graz.
Spitzenberger, F.; Gutleb, B., & Zedrosser, A. (1996): Die Säugetiere Kärntens-Teil 2. Carintha II, S. 197-304.
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Niethammer, J. (1982): Microtus multiplex (Fatio, 1905) - Alpen-Kleinwühlmaus. In: Handbuch der Säugetiere Europas: Nagetiere II. Hrsg.: J. Niethammer & F. Krapp, S. 419-428, Aula Verlag, Wiesbaden.

Autoren: Dr. Christine Resch & Dr. Stefan Resch (letzte Änderung im Apr. 2020)
Zitiervorschlag: Resch, C. & Resch, S. (2020): Illyrische Kurzohrmaus - Microtus liechtensteini. In: kleinsaeuger.at - Internethandbuch über Kleinsäugerarten im mitteleuropäischen Raum: Körpermerkmale, Ökologie und Verbreitung. apodemus - Priv. Institut f. Wildtierbiologie, Haus im Ennstal.